Aufgezeichnet bei der Verleihung des Christine Lavant-Preises 2019
Veröffentlicht am 25.12.2025 / 10:35
„Meine Eltern lebten noch bis zu meinem 24. Lebensjahr, dann starben sie ganz knapp hintereinander. Ich hatte bis dahin viel gelesen und viel geschrieben. Das Geschriebene war durchwegs Kitsch und das Gelesene wohl auch, denn sonst hätte mich der erste Hamsun, der zufällig darunter geriet, nicht so sehr erstaunen und erschüttern können.
Nach dem Tod meiner Eltern musste ich aus der Stube ausziehen in die winzige Dachkamme eines Neubaues. Damit hörte vorläufig alle Verzauberung auf. Meine Schreib-Wut hielt ich für eine überstandene Krankheit, die ich nie mehr in mir aufkommen lassen wollte, weil es sich für einen armen Menschen nicht gehört.“
Das schrieb die Schriftstellerin Christine Lavant im Jahr 1957. Ihre selbstkritische Einschätzung teilten Freunde und Kollegen, unter Ihnen Thomas Bernhard, NICHT. Glücklicherweise war ihre „Schreib-Wut“ keine „überstandene Sache“, denn Christine Lavant veröffentlichte in den folgenden Jahren weitere Bücher. Auch die Anerkennung im österreichischen und deutschen Literaturbetrieb blieb nicht aus, sie erhielt mehrere Preise und Auszeichnungen.
In Folge ZWEI der Podcast-Reihe „Lavant hören“ liest die Schauspielerin Gerti Drassl Gedichte aus dem Nachlass von Christine Lavant. Einige der Liebesgedichte sind dem Maler Werner Berg gewidmet. Sie entstanden zu Beginn der 1950er Jahre.
2017 wurden sie erstmals veröffentlicht in dem Band: Christine Lavant – „Gedichte aus dem Nachlass“. Herausgegeben von Doris Moser und Fabjan Hafner. Dies ist der dritte Band der vierbändigen Christine-Lavant-Werk-Ausgabe, die im Wallstein-Verlag, Göttingen, erschienen ist.
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